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Beschlussvorlage (Lagebericht 2020)

                                    
                                        Anlage 3 zu TOP 4 der Sitzung des Aufsichtsrates der badenova AG & Co. KG am 30. April 2021/Stand 15.04.2021

Anlage 4

LAGEBERICHT
für das Geschäftsjahr 2020

badenova AG & Co. KG
Tullastraße 61
79108 Freiburg im Breisgau

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Anlage 3 zu TOP 4 der Sitzung des Aufsichtsrates der badenova AG & Co. KG am 30. April 2021/Stand 15.04.2021

Inhaltsverzeichnis
1.

Geschäft und Rahmenbedingungen............................................................................3

2.

Wirtschaftsbericht ........................................................................................................3
2.1

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen ......................................................................... 3

2.2

Energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen.......................................................................... 4
Energieverbrauch .............................................................................................................. 4
Temperaturverlauf ............................................................................................................. 5
Energiepolitik und Regulierung.......................................................................................... 5

2.3

Geschäftsverlauf ..................................................................................................................... 7
Allgemein ........................................................................................................................... 7
Erdgas.............................................................................................................................. 10
Strom ............................................................................................................................... 10
Produktumsatz ................................................................................................................. 11

2.4

Ertragslage ............................................................................................................................ 12

2.5

Finanzlage............................................................................................................................. 13
Investitionen..................................................................................................................... 13
Finanzierung .................................................................................................................... 14

2.6

Vermögenslage ..................................................................................................................... 14

2.7

Mitarbeiter ............................................................................................................................. 15

2.8

Sonstiges............................................................................................................................... 15

3.

Risikobericht...............................................................................................................16
3.1

Risikomanagementsystem .................................................................................................... 16

3.2

Strategische Risiken ............................................................................................................. 16
Politik und rechtliche Rahmenbedingungen .................................................................... 16
Strategieentwicklung / Strategische Entscheidungen...................................................... 17

3.3

Operative Risiken der leistungswirtschaftlichen Unternehmensbereiche und
Querschnittsfunktionen ......................................................................................................... 18
Energiebeschaffung und -vertrieb.................................................................................... 18
Risiken der Querschnittsfunktionen ................................................................................. 18

4.

3.4

Risiken im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie ................................................... 19

3.5

Fazit....................................................................................................................................... 20

Prognose- / Chancenbericht ......................................................................................21

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1.

Geschäft und Rahmenbedingungen

Die badenova AG & Co. KG (nachfolgend: badenova) ist als Umwelt- und Energiedienstleister in Südund Mittelbaden sowie im bundesweiten Energievertrieb im Geschäftsfeld Markt und Energiedienstleistungen tätig. Gleichzeitig erbringt die badenova die wesentlichen Zentralfunktionen wie das Finanzwesen, die Unternehmenskommunikation sowie das Personal- und Informationsmanagement für die Unternehmen der badenova Gruppe. Über ihre Tochtergesellschaften und Beteiligungen ist sie in den Geschäftsfeldern Netzbetrieb, Wasser und Wärme sowie innovative und ökologische Dienstleistungen
rund um die Themen Energie, Klima und Umwelt tätig. Dazu gehören Beteiligungsmodelle an Wind-,
Wasser- und Solaranlagen, Biogasproduktion, Energiecontracting, Kraft-Wärme-Kopplung für Gewerbekunden und Industriebetriebe, Nahwärmelösungen, Wasser- und Abwasserbetriebsführungen für
Kommunen, kommunale - modular aufgebaute - Klimaschutzkonzepte und vieles mehr. Ebenso gehören IT-, Telekommunikations- und Abrechnungsdienstleistungen zum Produktportfolio der badenova
Tochtergesellschaften.
Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben sind die Grundsätze von Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung sowie
Wasser- und Klimaschutz von badenova einzuhalten.

2.

Wirtschaftsbericht

2.1

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Als Energie- und Umweltdienstleister, der insbesondere in Mittel- und Südbaden seine Produkte und
Leistungen anbietet, bestimmen insbesondere die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der trinationalen Metropolregion Oberrhein und Hochrhein im Dreiländereck Frankreich, Schweiz und Deutschland
die entscheidenden Marktparameter und Impulse für die Entwicklung der badenova.
Infrastrukturell ist die Region mit einem hochentwickelten Straßen-, Autobahn- und Schienennetz und
dem Rhein als eine der großen internationalen Wasserstraßen ausgestattet. Zahlreiche internationale
Konzerne haben sich ebenso wie eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen in dieser Region niedergelassen. Das badenova Marktgebiet ist gekennzeichnet von einem breiten Spektrum an Gewerbeansiedlungen, einer Vielzahl von Industriestandorten und hochentwickelten Dienstleistungsbranchen
(Handel, Banken und Versicherungen). Mit BioValley vertritt die Region am Oberrhein ein weltweit
bekanntes Cluster im Bereich der Life-Sciences.
Im Jahr 2019 wurde in Baden-Württemberg ein reales Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent erzielt.
In 2020 wurde die wirtschaftliche Entwicklung in Baden-Württemberg erheblich durch die Corona-Pandemie beeinflusst. Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahr um 13,6
Prozent zurückgegangen. Im dritten Quartal schwächte sich der Rückgang ab, lag aber immer noch bei
einem Minus von 4,3 Prozent. Nach vorläufigen Daten wird ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr von
4,9 Prozent erwartet (Quelle: Statista). Es gibt Krisengewinner wie den Online-Handel oder die Pharmabranche. Gleichzeitig leiden Branchen wie das Hotel- und Gaststättengewerbe stark unter den

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coronabedingten Einschränkungen. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hängt stark vom zukünftilauf der Bevölkerung ab.

2.2

Energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen
Energieverbrauch

Nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen beläuft sich der voraussichtliche Energieverbrauch in Deutschland im Jahr 2020 auf 11.691 Petajoule (398,8 Mio. t Steinkohleeinheiten). Dies entspricht einem Rückgang von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der wesentliche Teil
des Rückgangs begründet sich mit der gesamtwirtschaftlichen Verbrauchsentwicklung durch die COVID-19-Pandemie. Hinzu kamen, wie auch bereits in den Vorjahren, langfristige Entwicklungen durch
stetige Verbesserungen bei der Energieeffizienz und Substitutionen im Energiemix zugunsten der Erneuerbaren Energien.
Im Jahresvergleich stellt sich der detaillierte Energieverbrauch wie folgt dar:
Primärenergieverbrauch in Deutschland
(Stand: Dezember 2020)

2020

2019

Abw.

Abw.

Petajoule

Anteil %

Petajoule

Anteil %

(absolut)

(prozentual)

Mineralöl

3.965

33,9

4.511

35,2

-546

-12,1

Erdgas

3.105

26,6

3.214

25,1

-109

-3,4

Steinkohle

894

7,6

1.095

8,6

-201

-18,4

Braunkohle

950

8,1

1.161

9,1

-211

-18,2

Kernenergie

701

6,0

819

6,4

-118

-14,4

1.962

16,8

1.904

14,9

58

3,0

Stromaustauschsaldo

-75

-0,6

-126

-1,0

51

-40,5

Sonstige

189

1,6

222

1,7

-33

-14,9

11.691

100,0

12.800

100,0

-1.109

-8,7

Erneuerbare Energien

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V.

Der starke Rückgang im Mineralölverbrauch ist im Wesentlichen der COVID-19-Pandemie geschuldet.
Während der Absatz von Otto- und Dieselkraftstoffen nur leicht rückläufig war, halbierte sich der Verbrauch im Flugverkehr. Hinzu kam temperaturbedingt ein im Vergleich zum Vorjahr geringerer Heizölverbrauch im Wärmemarkt zum Tragen. Die leichte Abnahme des Erdgasverbrauchs ist ebenfalls auf
die COVID-19-Pandemie zurückzuführen. Allerdings ist der Rückgang mit 3 Prozent weit geringer, da
der Einsatz von Erdgas bei der Strom- und Wärmeerzeugung weiter ansteigt. Zusätzlich wird mit einem
leichten Anstieg des Verbrauchs bei den privaten Haushalten gerechnet. Hingegen ist der Einsatz des
Energieträgers Kohle weiterhin stark rückläufig. Der Verbrauch an Braun- und Steinkohle ist weiterhin
rückläufig. Hierzu haben sowohl ein rückläufiger Clean Dark Spread infolge steigender CO 2-Preise als
auch ein allgemein rückläufiger Stromverbrauch durch die COVID-19-Pandemie und die höhere
Stromeinspeisung durch Wind- und PV Anlagen beigetragen. Hinzu kommt der erhöhte Einsatz von

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Erdgas bei der Stromerzeugung. Die erneuerbaren Energien konnten ihren Anteil an der Energieerzeugung auch im Geschäftsjahr durch den weiteren verhaltenen Zubau leicht steigern.
Temperaturverlauf

Gradtagszahlen Freiburg
700
600
500
400
300
200
100
0
Jan

Feb

Mrz

Apr

Mai
2019

Jun
2020

Jul

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

Ø 10 Jahre

Die Geschäftsentwicklung der badenova ist auch vom Temperaturverlauf abhängig. Der verwendete
Indikator für den Heizenergiebedarf ist die Gradtagszahl. Bezogen auf Freiburg lag diese Kennzahl in
Summe für das Jahr 2020 um 276 Gradtage unter der des Vorjahres (-9,2 Prozent) und um 228 Gradtage unter dem 10-jährigen Mittel. Gemessen an den Gradtagen war das abgeschlossene Geschäftsjahr
somit wärmer als das Vorjahr und das 10-jährige Mittel sowie das wärmste Jahr seit 2014.
Energiepolitik und Regulierung
>

Brennstoffemissionshandelsgesetz (nachfolgend: BEHG) sowie erste Änderung BEHG

Die Einführung eines nationalen Emissionszertifikatehandels ist einer der wesentlichen Bausteine der
Bundesregierung zur Erreichung der Klimaziele bis zum Jahr 2030. Die Einführung der nationalen CO2Bepreisung soll einen finanziellen Anreiz zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen darstellen. Der
CO2-Preis wird für jegliche Emissionen aus fossilen Brenn- und Kraftstoffen fällig, die nicht bereits durch
den europäischen Emissionshandel abgedeckt sind.
Der zum Start ab 2021 festgelegte Preis von 25 Euro je Tonne CO 2 wird bis 2025 kontinuierlich bis zu
einem Wert von 55 Euro je Tonne CO 2 steigen. Für das Jahr 2026 wird ein Preiskorridor von 55 bis 65
Euro pro Zertifikat festgelegt. Ab 2026 müssen die Zertifikate per Auktion ersteigert werden, anschließend soll es zu einer Preisbildung durch den Markt kommen. Die Gesamtmenge der Zertifikate wird
gemäß den Klimazielen begrenzt sein.
Das Gesetz ist bereits am 20. Dezember 2019 in Kraft getreten und wurde durch die erste Änderung
am 10. November 2020 nochmals verschärft.
>

EEG-Novellierung 2021

Im EEG 2021 ist das Ziel verankert, dass der gesamte Strom in Deutschland vor dem Jahr 2050 treibhausgasneutral erzeugt und im Jahr 2030 der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 65 Prozent gesteigert werden soll.

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Wesentliche Themen der Gesetzesänderung sind:
Förderung von ausgeförderten EEG-Alt-Anlagen
Ausweitung Ausschreibungsmengen für Wind- und Photovoltaikanlagen
Förderung von weniger windstarken Standorten
Möglichkeit der kommunalen Teilhabe der Windstandortgemeinden
Erhöhung der Förderung des Mieterstroms durch Abkopplung von der Vergütung für PV-Anlagen
Quartiersansatz bei Mieterstrom statt Beschränkung auf gleiches Gebäude
Das Gesetz ist per 1. Januar 2021 in Kraft getreten nachdem der Bundestag am 17. Dezember 2020
zugestimmt hatte.
>

EEG-Umlage

Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben die EEG-Umlage für 2021 festgelegt und veröffentlicht. Die EEG-Umlage für nicht privilegierten Letztverbraucherabsatz sinkt demzufolge um 0,256
ct/kWh von 6,756 ct/kWh auf 6,5 ct/kWh in 2021. Ursächlich für den Rückgang ist das Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung, welches einen coronabedingten Anstieg der Umlage auf 9,651 ct/kWh
durch Gewährung eines Bundeszuschusses in Höhe von 3,151 ct/kWh verhindert. Für 2022 wird die
Umlage ebenfalls durch Zuschüsse auf 6 ct/kWh gedeckelt.
>

Gebäudeenergiegesetz (nachfolgend: GEG)

Das Energieeinsparungsgesetz, die Energieeinsparverordnung sowie das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz wurden in einem neuen Gesetz zusammengeführt. Wie das bisherige Energieeinsparrecht
für Gebäude enthält das neue GEG Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden, die
Erstellung und die Verwendung von Energieausweisen sowie an den Einsatz erneuerbarer Energien in
Gebäuden.
Neu sind unter anderem folgende Punkte im GEG enthalten:
Einbauverbot für Ölheizungen ab 2026 (mit zahlreichen Ausnahmen)
Anrechenbarkeit von Strom aus Erneuerbaren Energien
Innovationsklausel (Begrenzung der Treibhausgasemissionen statt Jahres-Primärenergiebedarf)
Vielfältige Änderungen der Energieausweise
Das Gesetz ist mit Wirkung vom 1. November 2020 in Kraft getreten.
>

Energiewirtschaftsgesetz (nachfolgend: EnWG) und Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (nach-

folgend: KWKG)
Im Rahmen des Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes wurden Änderungen im EnWG sowie im
KWKG umgesetzt. Die wesentlichen Änderungen sind:

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EnWG:
Monitoring Versorgungssicherheit geht vom BMWi auf die Bundesnetzagentur über
Mögliche Entlastungen für kohleausstiegbedingte Stromkostenerhöhungen (Zuschuss Übertragungsnetzentgelte)
KWKG:
Verlängerung des KWKG bis zum Jahr 2026 (Verlängerung bis 2029 noch unter Vorbehalt der
beihilferechtlichen Genehmigung)
KWK-Zuschlag für Anlagen bis 50 kW elektrischer Leistung wird unter Reduzierung der Vollbenutzungsstunden angehoben
Ausschreibung für KWK-Anlagen bereits ab 500 kW elektrischer Leistung
Einmaliger leistungsbezogener Kohleersatzbonus, wenn Neuanlagen eine bestehende KohleKWK-Anlage ersetzen
Das Gesetz ist am 14. August 2020 in Kraft getreten und wurde bereits in 2020 durch Änderungen durch
das KWKG 2021 angepasst. Hintergrund der Anpassungen zum 1. Januar 2021 ist wohl das europäische Beihilfenrecht.
>

EU-Trinkwasserrichtlinie

Der EU-Umweltministerrat hat am 23. Oktober 2020 eine neue EU-Trinkwasserrichtlinie verabschiedet.
Die Novellierung der Richtlinie hat vor allem die Vereinheitlichung von Standards innerhalb der EU zum
Ziel. Sie modernisiert die Standards für Wasserqualität, verbessert deren Überwachung und den Zugang zu Wasser für alle EU-Bürger. Unter anderem werden durch die Richtlinie neue Informationspflichten gegenüber Verbrauchern eingeführt, die über die Wasserqualität hinausgehen, und deren Umsetzung für die Wasserversorger mit einigem Aufwand verbunden sein dürfte. Wasserversorger, die mindestens 10 Tsd. m³ Wasser bereitstellen oder mindestens 50 Tsd. Personen versorgen, müssen wirtschaftliche Informationen etwa betreffend Effizienz und Entgeltstruktur online zur Verfügung stellen.
Die Richtlinie ist am 12. Januar 2021 in Kraft getreten und muss bis Januar 2023 in nationales Recht
umgesetzt werden.

2.3

Geschäftsverlauf
Allgemein

Die COVID-19-Pandemie hat die badenova im Geschäftsjahr 2020 vor enorme wirtschaftliche und prozessuale Herausforderungen gestellt. Die badenova hat bereits zu Beginn des Infektionsgeschehens in
Südbaden eine Vielzahl von Maßnahmen zur Kontaktvermeidung umgesetzt, um die Infektionsrisiken
auf ein Minimum zu begrenzen. Dank unserer leistungsfähigen IT-Infrastruktur konnten alle betrieblichen Prozesse jederzeit sichergestellt werden. In unseren Infrastrukturtöchtern bnNETZE GmbH und
badenova WärmePlus GmbH & Co. KG konnten die Investitions- und Instandhaltungsmaßnahmen nahezu vollständig umgesetzt werden. Im Energievertriebsgeschäft sind pandemiebedingt die Absatzmengen an einzelne Geschäfts- und Gewerbekunden zurückgegangen. Gleichzeitig sind die Energiepreise

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infolge rückläufiger Kundennachfrage signifikant gesunken, mit negativen wirtschaftlichen Folgen in der
Energiebeschaffung. Der gegenüber unserer Planung etwas mildere Temperaturverlauf im Winterquartal 2020 hat zu einem rückläufigen Erdgasabsatz an Privatkunden geführt. Insgesamt sind durch diese
Effekte die Absatzziele um rund 17 Prozent im Stromvertrieb und sieben Prozent im Erdgasvertrieb
unterschritten worden. Im Privatkundenvertrieb konnte der Kundenbestand zum Jahresende gegenüber
unseren unterjährigen Erwartungen nochmals leicht um vier Prozent ausgebaut werden. Obwohl wir die
geplanten Akquisemaßnahmen in 2020 drosseln mussten, hatten wir weniger Kundenverluste zu verzeichnen. Die rechtzeitig eingeleiteten Gegenmaßnahmen zur Ergebnissicherung sowie die geringeren
Wechselquoten im Privatkundenvertrieb haben insgesamt dazu geführt, dass im Geschäftsjahr 2020
das wirtschaftliche Ergebnis auf hohem Niveau gefestigt und die Wirtschaftsplanziele erreicht werden
konnten.
Die badenova hat in 2020 die stillen Beteiligungsverträge mit Gesellschaftern gekündigt und die stillen
Einlagen zurückgezahlt. Gleichzeitig wurden die erforderlichen Gremienbeschlüsse gefasst, um Anfang
2021 eine Kapitalerhöhung umsetzen zu können. Nahezu alle ehemals stillen Gesellschafter haben die
zurückgezahlten Mittel wieder als Eigenkapital in die badenova reinvestiert. Dieses Ergebnis war vor
dem Hintergrund der pandemiebedingten Unsicherheiten in den Haushalten unserer Gesellschafterkommunen nicht zu erwarten. Es unterstreicht eindrucksvoll das große Vertrauen in die Leistungs- und
Wettbewerbsfähigkeit der badenova.
Mit dem Jahresabschluss 2020 dokumentiert die badenova auch für das abgelaufene Geschäftsjahr ein
hohes Maß an wirtschaftlicher Stabilität in einem dynamischen und volatilen Wettbewerbsumfeld.
Die Konzerntochter bnNETZE GmbH (nachfolgend: bnNETZE) betreibt das eigene Erdgas-, Strom- und
Wassernetz, das Erdgasnetz der Hafenverwaltung in Kehl, der Netzgesellschaft Tuttlingen GmbH & Co.
KG, der Stadtwerke Müllheim-Staufen GmbH, der Gemeindewerke Umkirch GmbH und der Energieversorgung Oberes Wiesental GmbH sowie die Stromnetze der Regionalwerk Hochrhein GmbH & Co. KG
und der Gemeindewerke Umkirch GmbH. Das eigene Erdgasnetz erstreckt sich über zwei Regierungspräsidien und 11 Land- und Stadtkreise, in denen 158 Konzessionsverträge mit Städten und Gemeinden
abgeschlossen sind. Im Bereich Erdgas konnten aufgrund der Corona-Pandemie im abgelaufenen Geschäftsjahr zwei Konzessionsfolgeverträge noch nicht unterzeichnet werden. Termine sind aber bereits
in Planung. Es sind unverändert 21 Stromkonzessionen und zwei Wasserkonzessionen in der Obhut
der bnNETZE. Im Bereich Strom wurden 10 Konzessionsverfahren im Jahr 2019 insoweit gewonnen,
als positive Gemeinderatsbeschlüsse herbeigeführt wurden. Diese befinden sich aktuell noch im
Rechtsstreit, weshalb die Vertragsunterzeichnungen und die Netzübergänge noch nicht erfolgt sind
Der Rollout der modernen Messeinrichtungen läuft planmäßig und wird über den laufenden Turnuswechsel abgebildet. Der Rollout der intelligenten Messsysteme ist gerade angelaufen und wird nach
und nach in den Stückzahlen hochskaliert, so dass die verpflichtende 10 Prozent-Quote bis Januar 2023
erbracht werden kann.
Die Inbetriebnahme der Trinkwasserleitung nach Breisach konnte bis Juni 2020 abgeschlossen werden.
Somit ist die Teilversorgung der Stadt Breisach und der Gemeinden Merdingen und Ihringen gewährleistet.
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bnNETZE investiert in die Wasserwerke und Hochbehälter in Lahr und Freiburg im Breisgau um die
Anlagen weiterhin gut und zukunftssicher aufzustellen.
Die badenova WärmePlus GmbH & Co. KG (nachfolgend: bnWÄRMEPLUS) hat im Geschäftsjahr 2020
im Segment Wärmeversorgung im Neugeschäft den Schwerpunkt auf die Fertigstellung des Um- und
Neubaus verschiedener Wärmeanlagen sowie auf die Erweiterung und Verdichtung von Fernwärmenetzen in Freiburg und weiteren Gemeinden gelegt. Zudem fanden weitere Aktivitäten in Bezug auf die
Erschließung des Versorgungsgebiets Schildacker und der Abschluss der Erschließung des Baugebiets
Gutleutmatten in Freiburg statt. In Lahr wurden unter anderem das Theodor-Heuss-Gymnasium und die
Gewerbeschule an die Anlage Mauerfeld angeschlossen. Modernisierungsmaßnahmen wurden im Wesentlichen in den Heizwerken Lahr Mauerfeld, Breisach Erismannstraße und Breisach Julius-LeberSchule ausgeführt. Auf den Dächern der Winzergenossenschaft Schliengen und der Schwarzwaldmilch
in Freiburg wurden neue PV-Anlagen errichtet.
Im Dezember wurde die Gründung der neuen Tochtergesellschaft Stadtenergie Lörrach, an der die
bnWÄRMEPLUS, die Stadtwerke Lörrach und die ratio Neue Energie GmbH jeweils zu 1/3 beteiligt sind,
beschlossen. In diese Tochtergesellschaft bringen die drei Partner zum 1. Januar 2021 ihre Wärmeerzeugungsanlagen und Wärmenetze in Lörrach ein, um die Wärmewende in der Stadt Lörrach gemeinsam weiter voranzubringen
Im Bereich der erneuerbaren Energien hat die bnWÄRMEPLUS im Auftrag der Windpark Hohenlochen
GmbH & Co. KG den Bau des Windparks Hohenlochen im Schwarzwald weiter erfolgreich vorangetrieben, bevor es seitens des Herstellers zu massiven Verzögerungen kam. Die Windkraftanlagen sollen
nun im zweiten Quartal 2021 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden.
Weiterhin wurde eine Beteiligung an einem PV-Projekt mit 21,9 MWp in Reguisheim in der Nähe von
Fessenheim im Elsass erworben, das gemeinsam mit dem Partner und Projektentwickler Tryba Energy
errichtet werden soll.
Die badenIT GmbH (nachfolgend: badenIT) konnte den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr steigern und
blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2020 zurück. Der Geschäftsumfang mit Kunden außerhalb der
badenova Gruppe konnte auch in diesem Jahr weiter gesteigert werden. In der Region Südbaden hat
sich die Marktposition der badenIT weiter gefestigt, Marktanteile als kompetenter IT- und Kommunikationsdienstleister konnten gezielt ausgebaut werden. Unterstützt wird der positive Auftritt der badenIT
am Markt durch die Zertifizierung nach ISO 27001 (Informationssicherheit) und ISO 20000 (IT Service
Management). Die badenIT ist 2020 bereits zum zweiten Mal seit der Erst-Zertifizierung 2014 nach der
ISO/IEC 27001-Norm vom TÜV Süd re-zertifiziert worden.
Um den Ansprüchen ihrer Kunden an das Einhalten von Compliance-Vorgaben besonders im CloudServices-Bereich zu genügen, hat sich die badenIT zusätzlich nach dem internationalen Standard ISAE
3402 zertifizieren lassen. Das Testat nach Typ 1 (Eignung und Gestaltung der Kontrollen, das Kontrolldesign und die Implementierung) wurde in 2019 und nach Typ 2 (Wirksamkeit in einer definierten Zeit-

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periode) in 2020 erteilt. Hiermit kann die badenIT ihre Kunden und Geschäftspartner bei deren Nachweispflicht gegenüber ihren eigenen Wirtschaftsprüfern unterstützen. Aufwändige Einzelprüfungen sind
meist nicht mehr erforderlich und ersparen allen Beteiligten Zeit und Kosten.
Auch die Abrechnungsgesellschaft E-MAKS GmbH & Co. KG (nachfolgend: E-MAKS) konnte in 2020
die gesteckten Ziele übertreffen und sieht sich durch den weiteren Ausbau des Geschäfts in Form von
Ausbau von Beratungs- und Projektleistungen - insbesondere in den neuen Geschäftsfeldern IoT sowie
Robotic Process Automation - gut aufgestellt.
Der implementierte Planungs- und Steuerungsprozess in der badenova wie auch den Konzerntöchtern
sorgt für Transparenz und Zielorientierung in allen Unternehmensbereichen. Die definierten strategischen Maßnahmen im Geschäftsfeld der badenova sowie in den Geschäftsfeldern der Tochtergesellschaften wurden weiter planmäßig umgesetzt.
Erdgas
Im Geschäftsfeld Markt und Energiedienstleistungen organisiert die badenova Gruppe mit den Gesellschaften badenova und ESDG die Beschaffung und den Vertrieb von Erdgas an private und industrielle
Endkunden sowie an Weiterverteiler.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr entwickelte sich der Erdgasabsatz der badenova wie folgt:
Erdgasabsatz*
(in Mio. kWh)

Abw.

Abw.

(absolut)

(prozentual)

4.729,6

-307,1

-6,5

2.973,9

5.277,5

-2.303,6

-43,6

7.396,4

10.007,1

-2.610,7

-26,1

2020

2019

Privat- und Gewerbekunden

4.422,5

Geschäftskunden

* einschließlich Eigenverbrauch

Der Erdgasverkauf liegt mit 7.396,4 Mio. kWh unter dem Niveau von 2019. Im Privat- und Gewerbekundensegment führten insbesondere Temperatureffekte zu einem Rückgang der Absatzmenge. Das Geschäftskundensegment hatte vor allem durch die Corona-Pandemie Absatzrückgänge zu verzeichnen.
Planmäßig wurde die weitere Strukturanpassung im Kundensegment der Weiterverteiler umgesetzt.
Strom
Neben dem Kernprodukt Erdgas verkauft badenova den von Handelspartnern bezogenen Strom an
Privat- und Gewerbekunden, Geschäftskunden und Weiterverteiler. Alle Privatkunden erhalten zu 100
Prozent zertifizierten Ökostrom.

zum vierten Mal in Folge einen Spitzenplatz unter den regionalen Energieversorgern sichern.

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Im abgelaufenen Geschäftsjahr entwickelte sich der Stromabsatz der badenova wie folgt:
Stromabsatz*
(in Mio. kWh)

Privat- und Gewerbekunden
Geschäftskunden

Abw.

Abw.

(absolut)

(prozentual)

776,6

11,2

1,4

2.332,3

2.899,7

-567,4

-19,6

3.120,1

3.676,3

-556,2

-15,1

2020

2019

787,8

* einschließlich Eigenverbrauch

Der Stromverkauf ist im Vergleich zum Vorjahr um 15,1 Prozent gesunken und beträgt für das abgelaufene Geschäftsjahr 3.120,1 Mio. kWh. Im Privat- und Gewerbekundensegment kompensiert das Kundenwachstum im bundesweiten Vertrieb Absatzmengenverluste bei Gewerbekunden infolge der
Corona-Pandemie. Im Geschäftskundensegment ist der Absatzrückgang neben Absatzmengenrückgängen infolge der Corona-Pandemie auf Absatzmengenrückgänge im Segment der Weiterverteiler zurückzuführen.
Produktumsatz
Die Umsätze stellen sich im Vergleich zum Vorjahr wie folgt dar:
Produktumsatz
(in Mio. EUR)

Abw.

Abw.

(absolut)

(prozentual)

317,5

-57,5

-18,1

448,9

463,7

-14,8

-3,2

22,4

17,3

5,1

29,5

731,3

798,5

-67,2

-8,4

2020

2019

Erdgas abzüglich Erdgassteuer

260,0

Strom abzüglich Stromsteuer
Dienstleistungen/Sonstiges
Netto-Umsatzerlöse

Der Umsatz ist im abgelaufenen Geschäftsjahr im Bereich Erdgas und Strom temperaturbedingt sowie
aufgrund des coronabedingten Absatzrückgangs gesunken. Der Absatz an Weiterverteiler wurde weiter
planmäßig zurückgefahren.
Die Erlöse im Bereich Dienstleistungen/Sonstiges sind im Wesentlichen aufgrund von rückläufigen
Erlösschmälerungen angestiegen. Im Vorjahr war dieser Bereich durch Bonuszahlungen an Kunden
maßgeblich bestimmt.

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2.4

Ertragslage

in Mio. EUR (kann zu Rundungsdifferenzen führen)

Abw.

2020

2019

Gesamtleistung

731,0

798,9

-67,9

Materialaufwand

-652,3

-737,7

85,4

Personalaufwand

-27,0

-27,3

0,3

Abschreibungen

-1,0

-1,0

0,0

-45,2

-48,5

3,3

Zinsergebnis

-6,3

-6,2

-0,1

sonstiges Finanzergebnis

53,3

72,1

-18,8

Steuern vom Einkommen und vom Ertrag

-0,3

3,6

-3,9

Ergebnis nach Steuern

52,2

53,9

-1,7

0,0

-0,3

0,3

Jahresüberschuss

52,2

53,6

-1,4

Entnahmen/Einstellung Innovationsfonds

-0,2

-0,3

0,1

Bilanzgewinn

52,0

53,3

-1,3

sonstige betriebliche Aufwendungen ./. Erträge

sonstige Steuern

(absolut)

Die Stromaktivitäten bilden mit einem Anteil von 61,4 Prozent vom handelsrechtlichen Umsatz (Vorjahr:
58,1 Prozent) den wirtschaftlichen Schwerpunkt der badenova. Die Umsätze im Bereich Erdgas erreichen einen Anteil von 35,6 Prozent (Vorjahr: 39,8 Prozent).
Die Gesamtleistung sinkt insbesondere aufgrund der durch die Corona-Pandemie bedingten Absatzrückgange im Geschäftskundensegment. Zur Umsatzentwicklung wird auf die Erläuterungen in Kapitel
2.3.4 Produktumsatz
Der Materialaufwand ist analog der Gesamtleistung rückläufig. Dies ist im Wesentlichen auf einen
Rückgang der Energiebeschaffungsmengen zurückzuführen.
Der Rückgang des Personalaufwands resultiert im Wesentlichen aus dem Rückgang von Rückstellungen für Zeitguthaben der Mitarbeiter.
Der negative Saldo der sonstigen betrieblichen Aufwendungen zu den sonstigen betrieblichen
Erträgen hat sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Dies ist auf gesunkene Akquisekosten für Neukunden sowie einer höheren Risikovorsorge im Vorjahr zurückzuführen.
Der Rückgang des sonstigen Finanzergebnisses ist auf im Vorjahr realisierte Erträge aus dem Verkauf einer Beteiligung sowie höheren Jahresergebnissen der Konzerntöchter und die damit gestiegenen
Gewinnabführungen im Vorjahr zurückzuführen.
Der im Vergleich zum Vorjahr negative Posten der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag ergibt
sich vor allem aus im Vorjahr erhöhten Erträgen aus Gewerbesteuerumlagen.

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Anlage 3 zu TOP 4 der Sitzung des Aufsichtsrates der badenova AG & Co. KG am 30. April 2021/Stand 15.04.2021

Der Jahresüberschuss ist um 1,4 Mio. EUR auf 52,2 Mio. EUR gesunken.
In konsequenter Umsetzung des ökologisch und nachhaltig orientierten Unternehmensprofils, haben
sich die badenova Gesellschafter verpflichtet, jeweils einen Betrag von drei Prozent des Jahresüberschusses dem Innovationsfonds für Klima- und Wasserschutz zuzuweisen. Mit diesem Fonds werden ökologisch-innovative Projekte zum Wasserschutz und zur Energieeinsparung, der rationellen
Energieverwendung sowie der regenerativen Energieerzeugung gefördert, die aus sich heraus keine
Wirtschaftlichkeit erreichen.
Von dem ausgewiesenen Jahresüberschuss in Höhe von 52,2 Mio. EUR wird daher entsprechend der
gesellschaftsvertraglichen Regelung ein Betrag von 1,6 Mio. EUR in die Rücklage für den Innovationsfonds für Klima- und Wasserschutz eingestellt. Entnommen wurde entsprechend der satzungsgemäßen
Verwendung im Jahr 2020 ein Betrag von 1,4 Mio. EUR.
Mit einem Bilanzgewinn von 52,0 Mio. EUR hat sich die badenova im Geschäftsjahr 2020 in einem
wirtschaftlich schwierigen Umfeld weiterhin sehr erfolgreich behaupten können.
Als Dienstleister an die verbundene Netzgesellschaft bnNETZE ist die badenova zum Unbundling verpflichtet. Hierzu ist eine Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung für die in § 6b Abs. 3 EnWG aufgeführten Tätigkeitsbereiche zu erstellen. Bei der badenova handelt es sich um die Tätigkeitsbereiche
Elektrizitätsverteilung und Gasverteilung als Dienstleister von sonstigen Tätigkeiten insbesondere kaufmännische Dienstleistungen.
Für den Bereich Elektrizitätsverteilung belaufen sich die Umsätze auf rund 4.877 Tsd. EUR bei einem
Verlust von rund -128 Tsd. EUR und im Bereich Gasverteilung auf 6.401 Tsd. EUR Umsatz bei einem
Gewinn von 18 Tsd. EUR.

2.5

Finanzlage
Investitionen

in Mio. EUR (kann zu Rundungsdifferenzen führen)

Abw.

2020

2019

Immaterielle Vermögensgegenstände

0,4

0,4

0,0

Sachanlagen

0,4

0,8

-0,4

38,4

131,5

-93,1

39,2

132,7

-93,5

Finanzanlagen

(absolut)

Die Investitionen belaufen sich im Jahr 2020 auf 39,2 Mio. EUR (Vorjahr: 132,7 Mio. EUR). Davon entfallen auf immaterielle Vermögensgegenstände 0,4 Mio. EUR (Vorjahr: 0,4 Mio. EUR), auf das Sachanlagevermögen 0,4 Mio. EUR (Vorjahr: 0,8 Mio. EUR) und auf das Finanzanlagevermögen 38,4 Mio.
EUR (Vorjahr: 131,5 Mio. EUR).

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Anlage 3 zu TOP 4 der Sitzung des Aufsichtsrates der badenova AG & Co. KG am 30. April 2021/Stand 15.04.2021

Die Investitionen 2020 betreffen insbesondere den weiteren Ausbau der Onlineplattform für das Vertriebsgeschäft, die Anschaffung von Betriebs- und Geschäftsausstattung, Investitionen in das Heizungsanlagen Contracting sowie in den Umbau des Bestandsgebäudes am Standort Breisach.
Die Investitionen in Finanzanlagen betreffen die Einzahlung in die Kapitalrücklage der Konzerntochter
bnNETZE (30,0 Mio. EUR), Aufstockung der Ausleihungen an die Konzerntöchter bnWÄRMEPLUS,
badenIT und FWV (insgesamt 8,1 Mio. EUR), sowie Stärkung der Kapitalrücklage der Beteiligung homeandsmart (0,3 Mio. EUR).
Finanzierung
Von den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten in Höhe von 237,9 Mio. EUR (Vorjahr: 167,9 Mio.
EUR) entfallen 170,3 Mio. EUR (Vorjahr: 147,8 Mio. EUR) auf festverzinsliche Darlehensverbindlichkeiten und 64,5 Mio. EUR (Vorjahr: 19,2 Mio. EUR) auf variabel verzinsliche Darlehensverbindlichkeiten.
Für die variabel verzinslichen Darlehensverbindlichkeiten wurden in Höhe von 6,0 Mio. EUR (Vorjahr:
6,7 Mio. EUR) Zinssicherungsgeschäfte aufgenommen und somit eine feste Zinsvereinbarung hergestellt. In den variablen Darlehensverbindlichkeiten ist zudem ein Anteil von 36 Mio. EUR für die Zwischenfinanzierung der Rückzahlung der stillen Beteiligung enthalten. Diese Darlehen wurden mit Einzahlung der Kapitalerhöhung im Januar 2021 wieder vollständig zurückgeführt.
Zum 31. Dezember 2020 wurden Kreditlinien in Höhe von 1,8 Mio. EUR (Vorjahr: 0,0 Mio. EUR) in
Anspruch genommen. Sämtliche Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten weisen eine den Risiken
der badenova adäquate Zinsstruktur auf. Bei den festverzinslichen Darlehensverbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten beträgt die durchschnittliche Restzinsbindungsdauer 5,1 Jahre (Vorjahr: 6,8 Jahre).
Zum 31. Dezember 2020 standen der badenova nicht in Anspruch genommene zugesagte Kreditlinien
in Höhe von 60,2 Mio. EUR (Vorjahr: 52,0 Mio. EUR) zur Verfügung.

2.6

Vermögenslage

Die Vermögens- und Kapitalstruktur stellt sich zum 31. Dezember 2020 wie folgt dar:
Vermögens- und Kapitalstruktur
in Mio. EUR
(kann zu Rundungsdifferenzen führen)

Vermögen

2020

%

2018

%

Anlagevermögen (ohne Ausleihungen)

522,4

73,9

491,3

72,0

45,0

6,4

40,6

5,9

5,5

0,8

5,1

0,8

131,6

18,6

139,4

20,4

flüssige Mittel

1,7

0,2

3,9

0,6

Rechnungsabgrenzungsposten

0,5

0,1

1,7

0,3

706,6

100,0

682,0

100,0

langfristige Forderungen
Vorräte
kurzfristige Forderungen

Kapital

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Eigenkapital

223,7

31,7

224,8

33,0

langfristige Verbindlichkeiten

226,6

32,1

204,4

30,0

kurzfristige Verbindlichkeiten

256,1

36,2

252,4

37,0

0,1

0,0

0,3

0,0

706,6

100,0

682,0

100,0

Rechnungsabgrenzungsposten

Von dem insgesamt gebundenen Vermögen sind 63,8 Prozent (Vorjahr: 63,0 Prozent) durch Eigenkapital sowie langfristige Verbindlichkeiten finanziert.
Das Anlagevermögen und die langfristigen Forderungen umfassen 80,3 Prozent (Vorjahr: 77,9 Prozent)
der Bilanzsumme.
Die Kapitalstruktur spiegelt die langfristige Finanzierung des gebundenen Vermögens wider und kann
somit als weiterhin stabil bezeichnet werden.

2.7

Mitarbeiter

Die Gesamtbelegschaft umfasste im Berichtsjahr durchschnittlich 359 (Vorjahr: 345) Mitarbeiter/innen
unter Einbezug der Mitarbeiter/innen in Altersteilzeit und Elternzeit. Darin sind wie im Vorjahr keine
Auszubildenden enthalten.
Zum Stichtag 31. Dezember 2020 waren 364 Mitarbeiter/innen beschäftigt, gegenüber 350 zum 31.
Dezember 2019. Auch hier sind Mitarbeiter/innen in Altersteilzeit und Elternzeit enthalten, während die
Anzahl der Auszubildenden nicht berücksichtigt wird.
Die Zahl der Mitarbeitenden ist also nach wie vor sehr stabil. Im Jahresdurchschnitt 2020 ist sie aufgrund
verschiedener neuer Themen und Projekte leicht gestiegen.
Die Fluktuationsquote ist 2020 leicht rückläufig und beträgt jetzt 7,5 Prozent. Die neuen Rekrutierungsund Bindungsmaßnahmen (wie z.B. Talentry, Mitarbeiterempfehlungsprogramm und New Work) zeigen
offensichtlich Wirkung. Der weitere Ausbau der Online-Präsenz in den sozialen Netzwerken wird die
Präsenz der badenova in den neuen Medien weiter stärken, um den Fachkräftebedarf auch künftig decken zu können.

2.8

Sonstiges

Nachdem die Verschmelzung der Badische Gas- und Elektrizitätsversorgung AG auf die badenova mit
Eintragung ins Handelsregister im Juni 2014 vollzogen war, stellten einige ehemalige Aktionäre einen
Antrag auf gerichtliche Überprüfung der Höhe der Barabfindung. Der Gutachter hat zu einzelnen Fragen
der Bewertung inzwischen Stellung genommen. Im Ergebnis wird die Angemessenheit der Höhe der
Barabfindung bestätigt. Ein Urteil steht aber nach nunmehr sechs Jahren weiter aus.

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3.

Risikobericht

3.1

Risikomanagementsystem

Die badenova unterliegt mit ihren unternehmerischen Aktivitäten allgemeinen und branchenüblichen
Risiken. Zur Erreichung der wertesteigernden Zielsetzungen werden Risiken bewusst eingegangen und
gezielt gesteuert. Die badenova Risikopolitik ist somit Teil der von Rentabilitäts- und Wachstumszielen
geprägten Geschäftspolitik.
Das implementierte Risikomanagementsystem soll gewährleisten, dass sämtliche Einflüsse, die sich
negativ auf die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage des Unternehmens auswirken könnten, frühzeitig
als Risiko erkannt, systematisch erfasst und bewertet werden.
In der für die badenova aktuell gültigen Risikomanagement-Richtlinie sind die systematischen Grundlagen, die Konzepte und Methoden zur Risikoidentifikation und -bewertung, die Informations-, Steuerungs- und Überwachungsmechanismen sowie die Risikomanagementorganisation einheitlich geregelt.
Die Sicherstellung, Ausgestaltung und Weiterentwicklung des konzernweiten Risikomanagementsystems erfolgt durch die direkt dem Vorstand zugeordnete zentrale Risikomanagementfunktion. Vertriebsund beschaffungsspezifische Risiken werden in einem Risikokomitee aktiv gesteuert. Das operative
Risiko-Controlling erfolgt im Rahmen der dezentralen Geschäftsbereichssteuerung durch die jeweiligen
Funktionsbereiche. Im Rahmen der regelmäßig durchzuführenden Analysen der relevanten wirtschaftlichen Sachverhalte werden eventuelle Risiken identifiziert, ggf. mittels mathematisch-statistischer Methoden bewertet und schließlich zu einem Gesamt-Risikoprofil aggregiert. Die Ergebnisse dieser Risikoinventur werden mittels einer professionellen Software erfasst und verarbeitet.
Die durch die regelmäßigen Risikoanalysen gewonnenen Erkenntnisse bilden eine Informationsgrundlage für die internen (Risiko-)Steuerungsprozesse, die mittel- und langfristigen Unternehmensplanungen sowie für die erforderlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmaßnahmen im Rahmen der Jahresabschlusserstellung.
Die Risikosituation der badenova ergibt sich danach im Wesentlichen aus nachfolgenden Sachverhalten
und Aspekten.

3.2

Strategische Risiken
Politik und rechtliche Rahmenbedingungen

>

Marktliberalisierung/-regulierung

Die Ergebnisabführung der bnNETZE macht einen wesentlichen Anteil am Ergebnis der badenova aus.
Insoweit sind auch Risiken aus regulatorischen Festlegungen sowie aus Prüfungsverfahren der Bundesnetzagentur, die auf das Strom- und Gasnetzgeschäft der bnNETZE wirken, für die badenova besonders relevant. Im regulierten Geschäft sind die wesentlichen Einflussgrößen der Erlösobergrenze
der jeweils dritten Regulierungsperiode bereits bekannt. Dennoch sind innerhalb der Regulierungsperiode Anpassungselemente der Erlösobergrenze - wie das Regulierungskonto - mit teilweise noch offenen Verfahren vorhanden.

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>

Kommunalpolitisches Umfeld und Konzessionsverträge

Die badenova ist mit dem Tochterunternehmen bnNETZE derzeit in 162 Gemeinden mit der Lieferung
von Energie und der Erbringung von energienahen Dienstleistungen engagiert. Dieses Engagement ist
per 31. Dezember 2020 durch insgesamt 181 bestehende Konzessionen (davon 158 Gas, 21 Strom
und 2 Wasser) vertraglich gefestigt, deren zeitliche Bindung sich maximal bis zum Jahr 2039 erstreckt.
Dies stellt insofern ein erhebliches Risiko dar, als es nicht gelingen sollte, rechtzeitige Vertragsverlängerungen erwirken zu können, bzw. für den Fall des Verlustes von Konzessionen, diese durch entsprechende Neu-Verträge zu kompensieren. In den kommenden drei Jahren laufen 21 bnNETZE-Verträge
im Erdgas aus; darüber hinaus sind noch sechs weitere Verträge (5 Erdgas und 1 Strom) aus den
vergangenen fünf Jahren vakant. Mit allen betroffenen Kommunen steht die bnNETZE bereits im Bewerbungs- und Vergabeprozess. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass die Konzessionsvergabeverfahren von großer Rechtsunsicherheit geprägt sind und dies durch aktuelle Gerichtsurteile noch verstärkt wird. Entsprechend sind die Zeitdauern solcher Verfahren schwer abschätzbar. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Wettbewerb um Konzessionen und der Unsicherheitsgrad
weiterhin hoch bleiben wird.
Strategieentwicklung / Strategische Entscheidungen
>

Veränderte Rahmenbedingungen

Externe Einflussfaktoren wirken weiterhin in Richtung einer fundamentalen Veränderung der Energiewirtschaft und stellen für diese eine besondere Herausforderung dar. Dies erschwert das Kerngeschäft
der badenova und beeinträchtigt das erreichbare Ergebnisniveau. Zu nennen sind im Wesentlichen:
Sektorenkopplung zur Umsetzung der Energiewende voranbringen
Entwicklung neuer und Verbesserung bestehender Technologien
weiterhin erhebliche Unsicherheit bezüglich der gesetzlichen Rahmenbedingungen
zunehmende Digitalisierung der Geschäftsmodelle
zunehmende Dezentralisierung der Wertschöpfung
Diesen Herausforderungen stellt sich die badenova durch Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, konsequente Kundenorientierung, laufende Optimierung der Geschäftsprozesse und Anpassung der ITSysteme.
Die laufend aktualisierte Konzernstrategie der badenova trägt den oben genannten Entwicklungen
Rechnung. Die Weiterentwicklung erfolgt im Rahmen der Erarbeitung und Verabschiedung spezifischer
Geschäftsfeldstrategien, die die Basis für die weitere strategische Planung und den mittelfristigen Wirtschaftsplan darstellen.
>

Veränderungen der Finanzanlagen

Die badenova AG & Co. KG übernimmt als Muttergesellschaft im Konzern die Finanzierungsfunktion für
die Konzerntöchter. Ziel ist eine wirtschaftlich optimale Finanzierung der Tochterunternehmen, um deren Investitionsmaßnahmen zur Umsetzung und Erreichung der strategischen Unternehmensziele sicherzustellen.

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Im Geschäftsjahr 2020 wurde das Eigenkapital der bnNETZE um 30 Mio. EUR erhöht. Der badenIT
wurde ein Gesellschafterdarlehen für den Anteilserwerb von 40 Prozent an der FreiNet GmbH gewährt.
Weitere Gesellschafterdarlehen wurden an die bnWÄRMEPLUS und die Freiburger Wärmeversorgungs
GmbH ausgezahlt. Die wirtschaftlichen Kennzahlen der Beteiligung homeandsmart GmbH haben sich
in 2020 weiter positiv entwickelt, so dass die Eigenkapitalerhöhung in der Gesellschaft geringer ausgefallen ist als geplant.

3.3

Operative Risiken der leistungswirtschaftlichen Unternehmensbereiche und Querschnittsfunktionen

Das operative Geschäft ist geprägt von den leistungswirtschaftlichen Aktivitäten in den Bereichen Energiebeschaffung und -vertrieb. Diese Aktivitäten werden unterstützt durch die betrieblichen Querschnittsfunktionen.
Energiebeschaffung und -vertrieb
Die Risikolage im Bereich Energievertrieb und -beschaffung ist im Wesentlichen geprägt von der Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Entwicklung von Mengen und/oder Preisen

und zwar sowohl absatz-

wie auch beschaffungsseitig. Haupteinflussfaktoren sind dabei das (im Privatkundensegment auch stark
witterungsbedingte) Abnahmeverhalten der Kunden einerseits sowie die Volatilität der Marktpreise andererseits. Zur Erfüllung absatzseitiger Verpflichtungen werden beschaffungsseitig im Wesentlichen
physische Warentermingeschäfte eingesetzt. In Verbindung mit
nicht preisfixierte (Beschaffungs- bzw. Absatz-) Mengen-Kontingente, können sich erhebliche negative
Auswirkungen auf den Erfolg der badenova ergeben. Während sich die Unsicherheit bzgl. möglicher
Preisänderungen durch Portfoliomanagement-Maßnahmen weitgehend eliminieren lässt, sind die Möglichkeiten zur Absicherung von Absatzmengenänderungen begrenzt: Der liberalisierte Energiemarkt
wird von den Kunden immer mehr als solcher wahrgenommen.
Der unveränderte Wettbewerbsdruck auf dem Energiemarkt führt tendenziell zu niedrigeren Vertriebsmargen und/oder sonstigen vertraglichen Zugeständnissen gegenüber den Kunden.
Risiken der Querschnittsfunktionen
3.3.2.1 Personalwirtschaftliche Risiken
Für die badenova gehören gut ausgebildete Mitarbeiter/-innen mit den geforderten Fachkenntnissen
und Erfahrungswerten zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren der Zukunft. Die demographische Entwicklung
mit einer zunehmend älteren Gesellschaft führt auch bei badenova zu einem demographisch bedingten
Altersstrukturrisiko. Im Bereich des Personalwesens besteht aktuell neben dem demographisch bedingten Altersstrukturrisiko auch ein Stellenbesetzungsrisiko durch den Fachkräftemangel.
3.3.2.2 Finanzwirtschaftliche Risiken

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Korrespondierend zu den jeweils eingegangenen Beschaffungs- bzw. Vertriebskontrakten, bestehen
entsprechende finanzielle Ausfallrisiken, die mit geeigneten präventiven sowie nachgelagerten Maßnahmen reduziert werden.
Die zu Finanzierungszwecken von derzeit fünf Konzerngesellschaften aufgenommenen Kredite unterliegen teilweise einem variablen Zinssatz. Zur Eliminierung dieses Zinsänderungsrisikos kommen teilweise Zinsswap-Geschäfte zum Einsatz. Diese bewirken eine Fixierung der dem Basis-Kreditgeschäft
zugrunde liegenden variablen Zinssatz-Komponente.
Die weiterhin anhaltende Niedrigzinsphase stellt grundsätzlich gute Finanzierungsbedingungen für weiteres profitables Wachstum dar. Allerdings führt diese Entwicklung auch dazu, dass die Abzinsung langfristiger Rückstellungen zu einer Aufstockung dieser Position führt und dadurch das Ergebnis belastet
wird.
3.3.2.3 Informations- und Datenverarbeitungs-Risiken
Die permanente und sichere Verfügbarkeit der IT-Netzwerke und -Applikationen der badenova sind fundamentale Grundlage für die geordnete Abwicklung der Geschäftsaktivitäten. Die Risiken aus der Nichtoder unzureichenden Einhaltung von Anforderungen an Informationssicherheit und Datenschutz sind
Datenzerstörung/-verlust durch Sabotage, Datendiebstahl, Datenübermittlung an Unbefugte, unzulässige Verarbeitung personenbezogener Daten sowie unerlaubter Datenzugriff. Vor diesem Hintergrund
ist badenova bestrebt, dass die IT-Systemlandschaft und der Datenschutz stets höchsten Standards
genügt. Um dies zu gewährleisten, sind konkrete Maßnahmen in einer IT-spezifischen Sicherheitsrichtlinie kodifiziert, deren Inhalt sich an den im Bundesdatenschutzgesetz geforderten technischen und organisatorischen Maßgaben orientiert.
Zum Januar 2018 wurde erfolgreich das Informationssicherheitsmanagementsystem für Energienetzbetreiber nach IT-Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur eingeführt und zertifiziert. Dies betrifft im
Wesentlichen die bnNETZE mit den Bereichen Verbundwarte und Messen/Steuern/Regeln sowie deren
zum sicheren Netzbetrieb erforderliche ITK-Technik. Im Oktober 2020 konnte das Informationssicherheitsmanagementsystem erfolgreich re-zertifiziert werden.
Zur Erfüllung der seit dem 25. Mai 2018 geltenden EU Datenschutz-Grundverordnung (nachfolgend:
DSGVO), wurde ein umfassender Maßnahmenkatalog erarbeitet. Ein Großteil dieser erforderlichen
Maßnahmen wurde in 2019 bereits umgesetzt. Umfangreichere IT-Projekte zur Umsetzung des Löschkonzepts und zur Anonymisierung von Testdaten in SAP-Systemen sowie zur Optimierung der Datenschutzkonformität in den Kundenprozessen laufen im vorgesehenen Zeitplan. Bei Nichterfüllung der
DSGVO drohen erhebliche Bußgelder (bis zu 4 Prozent des Vorjahresumsatzes).

3.4

Risiken im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie

Im Energievertriebsgeschäft ergeben sich die Risiken aus der COVID-19-Pandemie insbesondere an
der Schnittstelle zu den Kunden sowie zur Energiebeschaffung.

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Auf der Kundenseite haben die von den Bundesländern bisher getroffenen Maßnahmen zur Reduzierung und Vermeidung von Neuinfektionen zu einem signifikanten Rückgang (insbesondere im Geschäftskundenbereich) der Abnahmemengen geführt. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie haben insbesondere Kleingewerbe- und Haushaltskunden
unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, ihre Zahlungsverpflichtungen mittlerweile bis Ende
April 2021 zu stunden. Sofern diese Möglichkeit in größerem Umfang genutzt wird, ist der Liquiditätsbedarf gegebenenfalls durch die Inanspruchnahme von Kreditlinien oder temporäre Zwischenfinanzierungen zu decken. Ob und inwieweit die derzeit noch andauernden Lockdown-Maßnahmen aufgrund
der aktuellen Pandemie-Entwicklung in absehbarer Zeit wieder aufgehoben werden, ist gegenwärtig
noch völlig offen. Es ist damit zu rechnen, dass nach einer schrittweisen Lockerung der PandemieGegenmaßnahmen die Konjunktur wieder anziehen wird. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung
der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung geht in seiner aktuellen Konjunkturprognose vom 17. März 2021
für 2021 von einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 3,1 Prozent aus. Der Umfang der wirtschaftlichen Erholung wird jedoch maßgeblich durch die Fortdauer der bestehenden Beschränkungen
bestimmt werden. Von einer dauerhaften Krise ist hingegen aktuell noch nicht auszugehen. Dennoch
wird sich wohl vor diesem Hintergrund die Zahlungsfähigkeit einzelner Kunden zeitweise verschlechtern. Insofern ist auch mit erhöhten Forderungsausfällen zu rechnen.
Die rückläufigen Abnahmemengen führen dazu, dass bereits für den Lieferzeitraum beschaffte Energiemengen zu den dann gültigen Marktpreisen verkauft werden. Sofern das Marktpreisniveau unter den
ursprünglichen Einkaufspreisen liegt, werden entsprechende Verluste realisiert. Aufgrund der konjunkturellen Abkühlung ist von einem weiterhin niedrigen Marktpreisniveau für Strom und Erdgas auszugehen.
Die Auswirkungen der Virus-Pandemie auf das Netzgeschäft sind zum Zeitpunkt der Aufstellung des
Lageberichts nur schwer in ihrer ganzen Dimension abschätzbar. Gegenwärtig läuft der Geschäftsbetrieb (die Belieferung der Kunden mit Erdgas, Strom und Wasser, der Betrieb der Leitungen und Anlagen
sowie die Erbringung sonstiger Dienstleistungen) weitestgehend normal. Das höchste Augenmerk wird
auf die Gesundheitsvorsorge der Mitarbeitenden und der Kunden gelegt. Sofern einzelne Indikatoren
zum Infektionsgeschehen es erforderlich machen, wird die badenova kurzfristig prozessuale Anpassungen und Gegenmaßnahmen initiieren.
Durch den badenova Konzern-Krisenstab sind die für diesen Zweck bestehenden Krisenpläne aktiviert
worden und werden täglich auf ihre Notwendigkeit und Wirksamkeit hin untersucht und angepasst. In
diesem Zuge arbeitet der Großteil der Mitarbeitenden im Homeoffice. Ein weiterer wichtiger Punkt ist
die zwingende Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit und damit die jederzeitige Einsatzbereitschaft der technischen Bereiche, insbesondere der Servicetechniker.

3.5

Fazit

Den Fortbestand des Unternehmens unmittelbar gefährdende Risiken wurden nicht identifiziert und sind
nach derzeitigem Informationsstand auch auf absehbare Zukunft nicht erkennbar. Gleichwohl stellen

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derzeit der Wettbewerbsmarkt, der bestehende Margendruck im Vertrieb sowie ein volatileres Geschäft
eine große Herausforderung dar, sich weiterhin erfolgreich am Markt zu positionieren.
Darüber hinaus können in der weiteren Zukunft insbesondere externe Faktoren wie technologische Veränderungen, der Eintritt neuer Marktteilnehmer, umfassende Digitalisierung von Geschäftsabläufen sowie die zunehmende Dezentralisierung der Wertschöpfung zu einer grundlegenden Veränderung der
Rahmenbedingungen in der Energiewirtschaft führen.
Für eine weitere erfolgreiche Marktpräsenz wird entscheidend sein, dass sich das Unternehmen mit
einem hohen Maß an Flexibilität an diese sich abzeichnenden Veränderungen anpassen kann und diese
Anpassungen rechtzeitig erfolgen.
Neben den bereits seit geraumer Zeit eingeleiteten vielfältigen strukturellen und operativen Optimierungsmaßnahmen, hat badenova auch in 2020 im Rahmen von diversen Projekten weitere Initiativen
ergriffen und umgesetzt, um diese Veränderungen

insbesondere die Trends zunehmender Dezentra-

lisierung und Digitalisierung offensiv anzunehmen und konstruktiv in das bestehende Geschäftsmodell
zu integrieren bzw. neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Wir glauben, mit diesen bereits in Umsetzung befindlichen Maßnahmen auch künftig erfolgreich am
Markt agieren zu können.
Durch die COVID-19-Pandemie sind die Risiken für die Erreichung der Ergebnisziele deutlich gestiegen.
Gegenmaßnahmen sind bereits umgesetzt und werden fortlaufend angepasst. Hierzu gehören insbesondere angepasste Vorgaben in der Energiebeschaffung und dem Forderungsmanagement, die Reduzierung von Vorauszahlungen sowie die Möglichkeit der Umsetzung von Kurzarbeit in einzelnen Unternehmensbereichen und der zeitlichen Verschiebung von Projekten.

4.

Prognose- / Chancenbericht

Im Rahmen des Planungsprozesses werden die relevanten Prämissen und strategischen Maßnahmen
nach Abstimmung zwischen Vorstand, Geschäftsfeldverantwortlichen, Zentralbereichsleitern und Geschäftsführungen der Konzerntöchter zentral vorgegeben. Hierbei werden die Preisentwicklungen an
den Beschaffungsmärkten sowie die Zinsentwicklung für den Planungszeitpunkt auf Basis aktueller
Marktdaten und Einschätzungen verwendet. Die zum Planungszeitpunkt aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen fließen ebenfalls in die Planung ein.
Für die Planung der Vertriebsmengen werden Witterungseffekte aus dem durchschnittlichen Temperaturniveau der letzten Jahre angesetzt und Annahmen über die wettbewerblichen Kundenveränderungen
getroffen. Für 2021 gehen wir weiterhin von einem hohen Wettbewerbsdruck mit niedrigen spezifischen
Deckungsbeiträgen aus. Diesem Marktumfeld wird im Planungszeitraum mit der Umsetzung von Maßnahmen zur Bestandskundensicherung und der weiteren Optimierung des Forderungsmanagements
begegnet. Mit der selektiven Nutzung unserer Vertriebskanäle wird eine qualitative Wachstumsstrategie
im Vertriebsgeschäft umgesetzt. Zum Planungszeitpunkt haben wir pandemiebedingte Abschläge im
Vertriebsgeschäft berücksichtigt. Wir gehen davon aus, dass sich erst mit einer erfolgreichen Umset-

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zung der Impfmaßnahmen in der Bundesrepublik und den angrenzenden Nachbarstaaten eine Normalisierung im Wirtschaftsleben einstellen wird. Die Absatzmengen werden sich in 2021 voraussichtlich
leicht gegenüber 2020 reduzieren, da weitere Bereinigungen im Kundenportfolio vorgesehen sind. Wird
dieser Effekt für 2021 ausgeklammert, gehen wir von einer vollständigen Erreichung unserer Vertriebsziele aus.
In der Tochtergesellschaft bnNETZE werden die laufenden Konzessionsverfahren bewertet und in der
Planung entsprechend berücksichtigt. Die Netzdurchleitungsmengen werden auf Basis vergangenheitsbezogener Werte hergeleitet. Die Erlösentwicklung im regulierten Netzgeschäft wird maßgeblich durch
die Rahmenbedingungen für die dritte Regulierungsperiode bestimmt. Sie ist damit gut planbar. Ergebnisschwankungen können sich im Gasnetz insbesondere durch temperaturbedingte Mengenschwankungen ergeben, die allerdings in Folgejahren über das sogenannte Regulierungskonto wieder ausgeglichen werden.
Die Tochtergesellschaft bnWÄRMEPLUS wird die eigenen Wärmenetze und -anlagen energetisch weifür Wirtschaft und Energie wird in 2021 im Stadtgebiet Freiburg
starten. In den Bestandsnetzen werden weiterhin neue Kunden akquiriert. Im Bereich der erneuerbaren
Energien werden Wind- und Photovoltaik-Projekte gemeinsam mit Projektpartnern laufend geprüft und
bei ausreichender Wirtschaftlichkeit weiter entwickelt. Im Sommer 2021 soll der Windpark Hohenlochen
der Tochtergesellschaft Windpark Hohenlochen GmbH & Co. KG mit vier Enercon Windenergieanlagen
vom Typ E-138 mit einer Leistung von jeweils 4,2 MW in Betrieb genommen werden.
Die Auswirkungen der Niedrigzinsphase werden für die Bewertung der Rückstellungen angemessen
berücksichtigt.
Für das Jahr 2021 sind Investitionen in Sachanlagen von rund 1,8 Mio. EUR geplant. Sie betreffen
insbesondere die Beschaffung von Heizungsanlagen im Rahmen von Contracting-Verträgen und Anschaffungen von Softwarelizenzen. Außerdem sind für Ausleihungen an Konzerntöchter im Rahmen der
Holdingfinanzierung 49,5 Mio. EUR vorgesehen.
Unter Berücksichtigung der geplanten Investitionen, Darlehenstilgungen und Abschreibungen errechnet
sich gemäß der im Herbst 2020 erstellten Wirtschaftsplanung für 2021 ein Finanzierungsbedarf in Höhe
von rd. 51,9 Mio. EUR, der durch Neuaufnahmen und die Verlängerung von Krediten zu decken ist. Ein
Teil dieses langfristigen Finanzierungsbedarfs wurde bereits im ersten Quartal gedeckt. Weitere Darlehensaufnahmen sind vorgesehen. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die laufende Liquiditätsentwicklung werden laufend analysiert und bewertet. Gegenüber dem Vorjahr ist die laufende Liquiditätsentwicklung unwesentlich durch pandemiebedingte Mindereinnahmen betroffen. Kurzfristige Liquiditätsschwankungen können bei Bedarf durch entsprechende kurzfristige Bankdarlehen jederzeit gedeckt werden.

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Insgesamt ist die badenova mit ihren Tochtergesellschaften für die Zukunft gut aufgestellt. In der Unternehmensstrategie sind die künftigen Herausforderungen identifiziert, konkrete Maßnahmen für die Erreichung der wirtschaftlichen Ziele formuliert und in die Umsetzung gebracht. Für laufende juristische
Verfahren sind im Jahresabschluss 2020 entsprechende Beträge zurückgestellt.
Für das Geschäftsjahr 2021 ist für die badenova AG & Co. KG ein Jahresüberschuss von 52,6 Mio.
EUR geplant. Das Jahresergebnis wird demnach planmäßig leicht über dem Niveau des Geschäftsjahres 2020 liegen. Die gesamtwirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie werden maßgeblich von
einer erfolgreichen Umsetzung der Impfstrategie in Europa abhängig sein. Im Vergleich zum Vorjahr
kann allerdings optimistisch auf den weiteren Geschäftsverlauf geblickt werden. Dieser wird bestimmt
durch die erfolgreiche Umsetzung der definierten strategischen Maßnahmen im Geschäftsfeld der badenova sowie in den Geschäftsfeldern der Tochtergesellschaften, den Umbau der IT-Systeme zur kontinuierlichen Erhöhung des Automatisierungsgrades in den Prozessen, die wirtschaftliche Erschließung
von Neukunden durch unsere Produkte auf dem Energiemarkt sowie den Temperaturverlauf.

Freiburg im Breisgau, 31. März 2021
badenova Verwaltungs-AG
Der Vorstand

Dr. Radensleben

Nikolay

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